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 DIE BIBEL NEU GESEHEN

 

EIN DIALOG

zwischen

GOTT

und

ELI E. LASCH

Arzt, Heiler und Mystiker

  

Prolog

Und Gott sprach zu mir:

SAGE UND VERKÜNDE

Wer, ich?  Ich bin doch nicht verrĂŒckt geworden! Und ĂŒberhaupt, wer spricht denn da plötzlich zu mir?  Gott? Oder habe ich etwa eine Halluzination?  Bin ich einfach verrĂŒckt, geisteskrank, wie so einige behaupten und sollte einen Psychiater aufsuchen? Ich weiß doch aus meiner medizinischen Praxis, dass Halluzinationen oft sehr wahrheitsĂ€hnlich sind, dass der Patient meistens nicht zwischen der RealitĂ€t und seinen Wahnvorstellungen unterscheiden kann.

HÖR AUF ZU QUATSCHEN. DU BIST NICHT GEISTESKRANK UND WEIßT GENAU WER MIT DIR REDET. UND JETZT GEH , SETZ DICH AN DEINEN COMPUTER UND FANGE AN MEIN DIKTAT AUFZUNEHMEN.

An meinen Computer? Gott weiß etwas ĂŒber Computer? Gott hat etwas mit moderner Technologie zu tun? Komisch!

NICHT WAHR? ABER SAG MIR; WARUM NICHT? MIT DIESER FRAGE VERBANNST DU MICH DOCH IN DIE VERGANGENHEIT!

Eigentlich hat Er (Wer?) doch Recht.

NA SIEHST DU!

Bis heute weiß ich nicht, wer es war, der zu mir sprach. War es wirklich Gott oder vielleicht ein Engel? Aber das Wissen und die Einsichten, die in diesem Dokument niedergeschrieben wurden, sind nicht mein. Sie passen auch nicht in meine frĂŒhere Weltanschauung. Sie kamen durch mich, wurden mir diktiert, und oft fand ich sie spĂ€ter wieder in uralten mystischen Schriften, oder in Zeitschriften und BĂŒchern, die sich mit den letzten Fortschritten der modernen Physik oder naturwissenschaftlichen Erkenntnissen befassen.

Oder aber, und darauf komme ich spĂ€ter noch einmal zurĂŒck, waren sie in der Bibel kodiert? NatĂŒrlich wusste ich genau, dass es sich nicht um eine Halluzination handelte. Ich war sogar bereit das Diktat aufzunehmen, nur veröffentlichen wollte ich es nicht. Ich hatte schon genug Erfahrungen mit den Versuchen etwas zu veröffentlichen, das nicht in die gĂŒltige Denkweise, in das bestehende Paradigma, hineinpasst. Immer noch herrscht der altbekannte Satz: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Ich strÀubte mich also, und die Diskussion ging weiter.

Keiner wird mir glauben, keiner wird mir zuhören. Man wird mich sogar verhöhnen: Erst war er ein Wissenschaftler und Schulmediziner, dann wurde er zum Geistheiler und nun behauptet er sogar Gottes Wort zu verkĂŒndigen. Ich werde doch zum Spott aller denkendem Menschen werden.

NA UND? ALS ARZT, DER ZUM GEISTHEILER WURDE MUSST DU DOCH EIGENTLICH SCHON DARAN GEWÖHNT SEIN. UND AUSSERDEM, IST DAS NICHT DAS LOS ALLER PROPHETEN GEWESEN? HAT MAN NICHT MOSES VERLACHT, ISAIAH UND JEREMIAS EINGESPERRT UND ELIAS VERSUCHT ZU TÖTEN? HATTE NICHT  JESUS DAUERND PROBLEME MIT DEN DAMALIGEN GELEHRTEN, DEN PHARISÄERN, UND HAT MAN IHN NICHT AM ENDE SOGAR GEKREUZIGT?

Ich bin aber weder Prophet noch Messias. Ich will es auch nicht sein. Noch sehe ich mich als Heiliger an. Das hat mir noch gerade gefehlt.

EIN PROPHET IST NICHTS ANDERES ALS MEIN, GOTTES, SPRACHROHR, DAS WAS MAN HEUTE EIN CHANNEL NENNT. MESSIAS? WER HAT DAVON GESPROCHEN? DAS WÜRDE DEIN EGO NUR NOCH MEHR AUFPLUSTERN, ALS ES SCHON IST. WENN DU DAS ABER UNBEDINGT WILLST??

Danke schön
.

ALLES WAS DU ZU TUN HAST, IST MEIN DIKTAT AUFZUNEHMEN. DAS MACHT DICH NOCH LANGE NICHT HEILIG. ES WÄRE NATÜRLICH GUT; WENN DU AUCH DEMENTSPRECHEND LEBEN WÜRDEST.

Du bist aber nicht nett, ein echter Witzbold.

WER SAGT, DAß ICH NETT BIN? ICH BIN WEDER „DER LIEBE GOTT“ DER EINFÄLTIGEN NOCH DER  „RACHSÜCHTIGE GOTT“ DER KIRCHE. ICH BIN SO WIE ICH BIN, ABER DARÜBER WERDEN WIR NOCH SPÄTER SPRECHEN. WENN DU ABER KEINEN HUMOR HAST, DANN IST DAS DEIN PROBLEM.

Hmmmm

 

 

Der Dialog geht weiter

 

Die Geschichte von Ismael und Isaak

 (auch “die Bindung Isaaks” genannt)

Zwei Sichten zur Geschichte des jĂŒdischen Volkes

 

I) Nach der Vertreibung aus Spanien trieb ein Jude mit seiner Frau und seiner Tochter in einer Nussschale auf dem Meer. Das Wasser gint ihnen aus und seine Tochter verdurstete. Dann kam ein Sturm auf und seine Frau wurde weggerissen. Derselbe  Sturm brachte den Juden zu einer Insel. So wurde er gerettet. Er wendete sich an Gott und sprach: „Du hast alles getan, damit ich Dich nicht mehr lieben werde. Diesen Gefallen werde ich Dir aber nicht tun. Ich werde Dich immer weiter lieben. (aus einer Schrift, die im Warschauer Ghetto gefunden wurde)

 

II) Du hast uns fast 2000 Jahre lang bestraft und wir wussten nicht, wofĂŒr. Oder hast Du uns auf die Probe gestellt wie einst Hiob? Nach dem Holocaust sagten viele, Du seiest tot. Jetzt sind wir zurĂŒck in Israel und jetzt stellen wir Dich auf die Probe. (eine religiöser Siedler in JudĂ€a und Samaria).

 

 

Die Episode, die von Abrahams Söhnen Ismael und Isaak, und besonders von der Opferung des letzteren handelt, stellt zweifellos einen dramatischen Höhepunkt der Bibel dar. Die unterschwellige Sorge Abrahams wĂ€hrend all seiner Wanderungen war das Fehlen von Nachkommenschaft gewesen. Ohne jemanden, der seinen Weg fortsetzte, wĂ€ren alle Verheißungen bezĂŒglich der Zukunft wertlos gewesen. Aber schließlich wurde es wahr. Zuerst hatte er einen Sohn mit dem SklavenmĂ€dchen Hagar, und 14 Jahre spĂ€ter empfing Sarah endlich und gebar den lang ersehnten Erben, Isaak.

Nun konnte Abraham endlich glĂŒcklich und zufrieden sein. All seine WĂŒnsche waren erfĂŒllt worden: Er war seiner Vision gefolgt, war reich und mĂ€chtig geworden und hatte ĂŒberdies zwei Söhne gezeugt, von denen zu erwarten war, daß sie seine Mission fortfĂŒhrten. Was konnte ein Mann mehr wĂŒnschen? Aber Abraham war nicht wie irgendein anderer Mann und mit seinen Söhnen kam die persönliche Tragödie. Er mußte seinen Erstgeborenen, Ismael, aus seinem Heim vertreiben, und ihm wurde befohlen, seinen zweiten Sohn und mutmaßlichen Erben, Isaak, zu opfern. WĂ€hrend die Tragödie Ismaels bei Juden und Christen gleichermaßen wenig Beachtung fand, hat die Opferung Isaaks eine unauslöschliche Spur im kollektiven Bewußtsein beider Gemeinschaften hinterlassen. Diese knappe ErzĂ€hlung, die im hebrĂ€ischen Original nur 19 SĂ€tze umfaßt, erzĂ€hlt eine Geschichte von Schrecken und Erlösung, MĂ€rtyrertum und Rettung, Opfer und Trost. Es ist eine Horrorgeschichte, welche die Schrecken und KĂ€mpfe des Menschen beschreibt, wenn er mit dem Unsagbaren konfrontiert wird, mit Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Kann es ein grĂ¶ĂŸeres Opfer geben als das von Abraham, von dem verlangt wurde, sowohl seinen einzigen Sohn als auch die versprochene Zukunft aufzugeben? Und nicht nur, seinen lang erwarteten Sohn und Erben aufzugeben, sondern ihn mit seinen eigenen HĂ€nden zu schlachten? Kann es einen stĂ€rkeren Glauben als den von Isaak geben, einem kleinen Jungen, der bereit war, ein MĂ€rtyrer fĂŒr den Glauben seines Vaters zu werden, ohne wirklich zu verstehen, wieso und warum? Der eine ging, um zu schlachten, der andere, um geschlachtet zu werden, und beide taten dies freiwillig, um ihren Glauben an Gott zu beweisen. Kann es eine grĂ¶ĂŸere Liebe zu Gott geben? Und das Ende ist bekannt.

Im letzten Moment geschah ein Wunder. Gottes Engel schritt ein, und Isaak wurde gerettet. Auch Abraham wurde gerettet - vor einem Schicksal schlimmer als der Tod. Er wurde vor dem Schicksal gerettet, weiterzuleben, nachdem er das Einzige, was sein Leben lebenswert machte, mit eigenen HĂ€nden zerstört hatte, vor dem Schicksal, um das zu trauern, was hĂ€tte sein können und nicht war. Es waren der Glaube und der Gehorsam von Abraham und Isaak, die sie schließlich retteten, und das ist der Grund dafĂŒr, daß die Geschichte eine so gewaltige Auswirkung auf das menschliche Bewußtsein hat. Hier ist ein Mann, der bereit ist, alles aus Liebe zu Gott zu opfern; der gekĂ€mpft und alle seine Zweifel und Fragen ĂŒberwunden hat; der blind seinem Glauben gefolgt ist und am Ende siegreich war. Denn kann es etwas StĂ€rkeres geben als die Liebe eines Mannes zu seinem Sohn?

Nach der Tradition war die Tatsache, daß es ihm gelang, aus Liebe zu Gott seine menschlichen Emotionen, seine menschliche SchwĂ€che zu ĂŒberwinden, der Beweis seiner GrĂ¶ĂŸe. Das Gleiche gilt natĂŒrlich fĂŒr Isaak, den kleinen und unschuldigen Jungen, der bereit war, seine Liebe zu Gott zu beweisen, indem er sein Leben hingab. Die christliche Kirche betrachtete ihn als VorlĂ€ufer von Christus, und es war sein Beispiel, welches die MĂ€rtyrer dazu bewog, bereit zu sein, aus Liebe zu Gott sich selbst zu opfern, eine Tendenz, die die Kirche verstĂ€rkte, indem sie sie heilig sprach. Aber dieser Ansatz trifft nicht nur fĂŒr die christliche Tradition zu. Auch der jĂŒdische Glaube sieht die Opferung Isaaks als den Höhepunkt der Liebe zu Gott an, als leuchtendes Beispiel fĂŒr uns alle. Auch im Judentum gab es viele MĂ€rtyrer, die ihr Leben „fĂŒr die Heiligung Gottes“ gaben. Unter vielen Gesichtspunkten Ă€hnelt Isaaks Rolle im Judentum derjenigen von Jesus im Christentum. Obwohl Isaak die jĂŒdischen Menschen nicht von ihren SĂŒnden losspricht, ist auch er die Person, die am Ende der Tage vor Gott fĂŒr sie eintreten und Ihn bitten wird ihnen ihre SĂŒnden zu vergeben. Nach dem volkstĂŒmlichen weit verbreiteten Glauben ist er der Einzige, der das tun kann, weil er bereit war, zum grĂ¶ĂŸeren Ruhm Gottes geopfert zu werden.

 

MEINST DU WIRKLICH, DASS ICH EUCH DAS SAGEN WOLLTE? PASST MÄRTYRERTUM ZUM GEIST DER BIBEL, IN DER ICH IMMER WIEDER DIE ENGE BEZIEHUNG ZWISCHEN DER LIEBE ZU MIR UND DEM LEBEN AUF DIESER ERDE BETONE? HABE ICH EUCH NICHT IMMER WIEDER LAUT UND DEUTLICH GESAGT: "FOLGE DEN WEGEN GOTTES, DAMIT DU LEBEN WIRST!" ODER IST DIES EINE WEITERE FEHLINTERPRETATION, EINE WEITERE VERDREHUNG VON WORTEN UND BEDEUTUNGEN DURCH JENE, DIE EUCH GLAUBEN MACHEN WOLLEN, DER GOTT DES ALTEN TESTAMENTS SEI EIN RACHSÜCHTIGER GOTT UND DIE HÖCHSTE TUGEND BLINDER GEHORSAM. DIE HÖCHSTE TUGEND UND DER EINZIGE WEG BESTRAFUNG ZU VERMEIDEN? SCHAUT AUF DIE BIBEL, SAGT MAN EUCH, SCHAUT, WAS ADAM GESCHAH, ALS ER UNGEHORSAM WAR, UND SCHAUT AUF ABRAHAM, DEN GEHORSAMEN DIENER, DEN KNECHT GOTTES! ALLES, WAS GOTT WIRKLICH VON UNS WILL, BEHAUPTEN SIE, IST BLINDER GEHORSAM GEGENÜBER SEINEN GEBOTEN. DIES IST DIE BOTSCHAFT, DIE IHR VON DER GENESIS AN GLAUBEN SOLLT.

Ein Kommentator ging sogar so weit zu sagen, dass es so etwas wie Gut und Böse nicht gibt; es gibt nur, was gut in den Augen des Herrn ist. [i]

MENSCHEN HABEN DIESER SICHT ZUFOLGE ÜBERHAUPT KEINE WAHL. SIE MÜSSEN GEHORCHEN. ES EXISTIERT FÜR SIE NATÜRLICH NUR EINE ART, DAS WORT GOTTES ZU VERSTEHEN, UND DER SCHLÜSSEL ZU DIESEM VERSTÄNDNIS LIEGT IN DEN HÄNDEN DER GEWEIHTEN PRIESTER/PFARRER/RABBINER.

Geweiht von wem?

VON ANDEREN PRIESTERN/PFARRERN/RABBINERN NATÜRLICH. VON MIR NICHT.

Und was ist mit den modernen Wissenschaftlern und Kommentatoren?

SOLANGE SIE NICHT DIE GRUNDLEGENDEN GLAUBENSSÄTZE DER ETABLIERTEN RELIGIONEN ANERKENNEN, ZÄHLEN SIE FÜR DIESE NICHT.

Dies hat eine tiefe Spaltung hervorgerufen, zwischen denen, die die Bibel als Deine wörtlichen Äußerung, die des lebendigen Gottes, ansehen, und denen, die alles in den Bereich der Mythen verweisen.

DAS ERGEBNIS DIESER ENTWICKLUNG KÖNNT IHR TAGTÄGLICH SEHEN - AUF DER EINEN SEITE EINEN MASSIVEN EXODUS AUS DEN RELIGIONEN MIT EINER NACHFOLGENDEN GEFÜHL DER SINNLOSIGKEIT, DIE ZU KRASSEM MATERIALISMUS FÜHRT; AUF DER ANDEREN SEITE EINEN WILDWUCHS VON SEKTEN, JEDE MIT IHREM EIGENEN SELBST ERNANNTEN MESSIAS.

Aber zurĂŒck zur Bibel. Die klassische und weitest akzeptierte Version und Interpretation der ErzĂ€hlung von der Opferung Isaaks zeigt Abraham als den Prototyp des GlĂ€ubigen, als einen ‚Felsen des Glaubens', den ‚Helden', der die hĂ€rteste der Proben erfolgreich bestanden hat.

ICH FRAGE DICH NOCH EINMAL: MÜSST IHR WIRKLICH EINE VERSION AKZEPTIEREN, NACH DER DIE OPFERUNG EINES MENSCHLICHEN WESENS DEN STÄRKSTEN MÖGLICHEN BEWEIS FÜR DIE LIEBE ZU MIR DARSTELLT? ALLE EURE KOMMENTATOREN BETONEN DIE TATSACHE, DASS ISAAK ABRAHAMS SOHN WAR. KEINER WAGT ES ZU ERWÄHNEN, DASS ISAAK NICHT NUR ABRAHAMS SOHN WAR, SONDERN ZUALLERERST EIN MENSCHLICHES WESEN.

WÄREST DU BEREIT ZU AKZEPTIEREN, DASS DIESES NICHT ABRAHAMS HÖHEPUNKT SONDER SEIN TIEFPUNKT WAR? DASS ABRAHAM DIESE PROBE NICHT BESTANDEN HAT?

Hm, das ist ja wirklich ein neuer Gedanke.

IN DER TORAH, UND IN DER GANZEN BIBEL HABE ICH IMMER AUFS NEUE GEZEIGT, DASS ES KEINEN MENSCHEN GIBT, DER VOLLKOMMEN IST. SO ETWAS WIE „HEILIGE“ GIBT ES NICHT. SELBST DIE GRÖSSTEN HELDEN SIND NUR MENSCHEN, MIT ALLEN STÄRKEN UND SCHWÄCHEN, DIE EUCH ZU DEM MACHEN, WAS IHR SEID. UM DAS GANZ KLAR ZU STELLEN ZEIGE ICH IN DER BIBEL, DASS SELBST DER GRÖSSTE MENSCH MINDESTENS EINMAL EINEN FEHLTRITT TUT, WENIGSTENS EINE SÜNDE BEGEHT UND DAFÜR ZUR RECHENSCHAFT GEZOGEN WIRD.

Redest Du hier ĂŒber Moses?

ZUM BEISPIEL, ABER NICHT NUR ER.

Könnte es sein, daß die Geschichte von der Opferung Isaaks uns zeigen sollte, daß selbst Abraham keine Ausnahme war?

GENAU

"Und es begab sich, dass Gott nach alledem Abraham auf die Probe stellte“.[ii]

Eine Probe zu diesem Zeitpunkt, nach der langen Verbindung zwischen Dir und Abraham? Das passt eigentlich nicht in die Geschichte Eurer Beziehung. Welche Art von Probe soll das gewesen sein? Ob Abraham bereit war, Dir seinen Sohn zu opfern? In einem Land wie Kanaan, wo regelmĂ€ĂŸig Kinder den Göttern zum Opfer gebracht wurden, war das schliesslich nichts Besonderes. Wolltest Du seinen Gehorsam erproben? Sehen, ob Abraham seine eigenen GefĂŒhle ĂŒberwinden wĂŒrde, um Deinen Befehlen zu gehorchen? Aber hatte er nicht genau das vor kurzer Zeit getan, als er Deinem Rat folgte und Ismael aus seinem Heim vertrieb? Macht es wirklich so einen großen Unterschied, ob man einen Sohn zum Sterben in die WĂŒste schickt oder ihn auf dem Altar schlachtet? Zu beiden AnlĂ€ssen stand Abraham frĂŒh am Morgen auf ...! [iii]

ES WAR EINE PROBE, ABER NICHT VON DER ART, WIE DIE MEISTEN LEUTE DENKEN, DAS WAR DER ANFANG VOM ENDE. DER KREIS SCHLOSS SICH.

ABRAHAM HÖRT AUFS NEUE DIE WORTE: „LEKH LEKHA." [iv].

Was willst Du damit sagen?

WIE DU WEISST, BEDEUTEN DIESE WORTE, DASS JEMAND ALLEIN GEHEN UND ALLES HINTER SICH LASSEN SOLL, DASS ER SICH VON ALLEM UND JEDEM TRENNEN SOLL, EINSCHLIESSLICH SEINER VERGANGENHEIT. ICH BENUTZTE DIE GLEICHEN WORTE, DIE ICH IHM SAGTE, ALS ICH IHN ZUM ERSTEN MAL AUFFORDERTE AUF SEINE LANGE REISE AUFZUBRECHEN. DIE ZWEI WORTE, DIE NICHT NUR SEIN LEBEN, SONDERN DAS DER GANZEN MENSCHHEIT BIS JETZT VERÄNDERT HABEN. WIEDER, WIE AM ANFANG, BEKAM ER KEINE GENAUE ANGABE DES LETZTENDLICHEN REISEZIELS - ‚IN EIN LAND, DAS ICH DIR ZEIGEN WERDE;' ‚AUF EINEN BERG, DEN ICH DIR SAGEN WERDE.' WENN DU EINEN NEUEN WEG BESCHREITEST, IST NICHT DAS ZIEL WICHTIG, SONDERN DIE VISION UND DER ERSTE SCHRITT, DEN DU UNTERNIMMST, DIE TATSACHE, DASS DU ÜBERHAUPT ANFÄNGST. DAS ZIEL IST NOCH IN NEBEL GEHÜLLT.

BRINGT DIR DAS NICHT EINE ERINNERUNG HOCH?

Gott erinnerte mich an den Anfang meines neuen Weges. Ich versuchte, einem Freundeskeis eine neue Auslegung der Bibel zu vermitteln. Ich stiess auf scharfe Abneigung und sogar Anfeindung. Dort hörte ich zum ersten Mal die Worte, die Abraham gehört hatte. Ich ging nach draussen und hörte diese Worte von einem Ende des Universums zum anderen hallen. Auch ich musste daraufhin alles verlassen und einen neuen Weg beschreiten, dessen Ziel ich nicht kannte. Aber zurĂŒck zur Bibel. Welch ein Unterschied zwischen den zwei ‚Marschbefehlen'! Der erste fĂŒhrte Abraham auf eine neue Straße, eine Straße voller Herausforderungen einerseits, aber auch mit dem Versprechen einer lichten Zukunft. Der zweite Befehl brachte ihn auf den Weg zur Zerstörung. Die erste Aufforderung eröffnete ihm einen Weg, der unbekannt und voller Hindernisse war. Die zweite fĂŒhrte ihn zurĂŒck auf die wohlbefestigte Bahn der Götzendienerei, zu den anerkannten Normen dieses Zeitalters. Der erste Befehl zeigte ihm den Weg des Lebens und der Freiheit, der zweite den der Sklaverei und des Todes. Dieser Unterschied zeigt sich auch in der Formulierung der Aufforderungen. Der erste war mehr in der Art eines Vorschlags: "Geh in das Land, das ich dir zeigen werde;" da du ein freier Mann bist, liegt es an dir, zu sehen und zu entscheiden. Und dann kommt Dein Versuch, Abraham zu ĂŒberzeugen, daß es sich lohnen wird, den Vorschlag anzunehmen: "Ich werde dich zum großen Volk machen."

Der zweite Befehl, und diesmal war es keine Aufforderung, sondern ein klarer Befehl, eine Forderung blinden Gehorsams, ein Befehl an einen Sklaven. "Geh in das Land Moriah. Dort, auf einem Berg, den ich dir zeigen werde, wirst du mir deinen Sohn opfern." Dies ist ein klarer Befehl, der keinen Raum fĂŒr Diskussionen lĂ€sst. "Ich, Gott, sage dir, was du in diesem Moment wissen mußt. Wenn du dorthin kommst, werde ich dir den genauen Ort zeigen." Hier kommandierst Du Abraham herum, als ob er ein Sklave wĂ€re. Dies ist eine völlige Kehrtwendung in der Beziehung zwischen Dir und Abraham, von einer Beziehung, die auf gegenseitigem Respekt beruht, zu einer von Herrn und Sklaven.

DAS IST RICHTIG. BIS ZU DIESEM AUGENBLICK HABE ICH NIE SO ZU ABRAHAM GESPROCHEN. ICH HATTE IHN NIEMALS EINEN KNECHT GENANNT ODER ALS SOLCHEN BEHANDELT. IN DIESEM AUGENBLICK HATTE ABRAHAM DIE WAHL: ALS FREIER MANN ZU HANDELN UND SICH ZU WEIGERN DEN BEFEHL, SO WIE ICH IHN GEGEBEN HATTE, ZU BEFOLGEN ODER NACHZUGEBEN UND SICH WIE EIN SKLAVE ZU VERHALTEN.

DIESES WAR DIE PROBE, AUF DIE ICH ABRAHAM GESTELLT HABE. DIESES WAR DIE PRÜFUNG FÜR ABRAHAM UND FÜR DIE GANZE MENSCHHEIT. ABER ABRAHAM HAT DIESE PRÜFUNG NICHT BESTANDEN, WEDER ER NOCH DIE MENSCHHEIT ALS GANZES. ABRAHAM, DER SCHRITT FÜR SCHRITT DIE LEITER ZUR FREIHEIT ERKLOMMEN HATTE, FÜRCHTETE SICH DEN LETZTEN SCHRITT ZU TUN, DEN SCHRITT ZUR VÖLLIGEN FREIHEIT UND UNABHÄNGIGKEIT, SOGAR VON MIR. DEN SCHRITT, MIT DEM ER SEINE EIGENE GÖTTLICHKEIT WIEDERERLANGT HÄTTE. SEIN SCHEITERN SYMBOLISIERT DAS IMMER NEUE SCHEITERN DES MENSCHEN BEI DEM VERSUCH SICH SELBST VON DEN FESSELN, DIE IHN BINDEN, ZU BEFREIEN.

DIESMAL FEILSCHTE ABRAHAM NICHT MIT MIR, SONDERN ER STAND FRÜH MORGENS AUF, SATTELTE SEINEN ESEL UND HACKTE DAS HOLZ FÜR DAS BRANDOPFER. DAS ALLES TAT ER SELBST, TROTZ DER TATSACHE; DASS ER ALT WAR UND VIELE SKLAVEN ZUR VERFÜGUNG HATTE. ER REAGIERTE ALS SKLAVE UND VON DIESEM TAG AN FUHR ER FORT, WIE EIN SOLCHER ZU HANDELN.

SO BRACH ABRAHAM AUF, MIT SEINEM SOHN ISAAK UND ZWEI DIENERN. DREI TAGE BRAUCHTE ER, UM SEIN ZIEL ZU ERREICHEN. DREI TAGE UND EINE EWIGKEIT. ZWEIUNDSIEBZIG LANGE STUNDEN HABE ICH IHM ZUR VERFÜGUNG GESTELLT, UM DARÜBER NACHZUDENKEN, WAS EIGENTLICH GESCHEHEN WAR; UND UM ZU VERSUCHEN, SEINE FRÜHERE POSITION WIEDER ZU ERLANGEN. WENN ER SICH NICHT RUNDWEG WEIGERN WOLLTE, MEINEM BEFEHL ZU GEHORCHEN, HÄTTE ER ZUMINDEST DIE GELEGENHEIT GEHABT MICH ZU FRAGEN: "HABE ICH WIRKLICH GEHÖRT, WAS ICH MEINTE, GEHÖRT ZU HABEN? ENTSCHULDIGE, HERR, ABER DU VERSTEHST SCHON, ICH BIN ZIEMLICH ALT, UND MEIN GEHÖR IST NICHT MEHR, WAS ES EINMAL WAR." UND: "WENN DU WIRKLICH GESAGT HAST, WAS ICH ANSCHEINEND GEHÖRT HABE, WAR DAS WIRKLICH, WAS DU SAGEN WOLLTEST? ENTSPRICHT DIESES OPFER WIRKLICH DEINER ABSICHT? VERSTEHST DU, GOTT, ICH BIN NUR EIN MENSCH UND MEINE AUFFASSUNGSGABE IST BEGRENZT."

WAS FÜR EIN WUNDERBARER AUSWEG HÄTTE DAS SEIN KÖNNEN, UND BEIDE HÄTTEN WIR UNSER GESICHT GEWAHRT. ABER ABRAHAM MACHTE KEINEN GEBRAUCH VON DER GNADENFRIST, VON DER VERLÄNGERUNG, DIE ICH IHM GEWÄHRT HATTE. ER HATTE ES SO EILIG, DIESE PRÜFUNG ZUM ABSCHLUSS ZU BRINGEN, DASS ER NICHT EINMAL DIE GELEGENHEIT NUTZTE, MICH NACH DEM GENAUEN NAMEN UND ORT DES BERGES ZU FRAGEN. ABRAHAM SAH EINEN ORT UND BESCHLOSS, DASS DIES DER ORT WAR, DEN ICH MEINTE, ALS FÜRCHTE ER, ICH KÖNNTE MEINE MEINUNG NOCH ÄNDERN, WENN ER FRAGTE.

Oder hatte er vielleicht Angst, Du wĂŒrdest zornig werden, wenn er fragte? Wo ist der Abraham geblieben, den wir kennen gelernt haben? Wo ist dieser Mann der Freiheit, der sich nicht fĂŒrchtete, Deine Worte anzuzweifeln, sich Dir sogar entgegenzustellen, der niemals Angst vor Dir hatte.

ABRAHAM IST VOR DER FREIHEIT GEFLOHEN, UND BIS AUF DEN HEUTIGEN TAG HAT SICH DIE MENSCHHEIT NICHT VON DIESER FLUCHT ERHOLT.

Was meinst Du hier mit Freiheit?

FREIHEIT BEDEUTET FRAGEN ZU STELLEN UND SELBST MEINE GEBOTE ANZUZWEIFELN – DORT, WO SIE GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT UND GERECHTIGKEIT VERSTOSSEN. DAS HAT DOCH ABRAHAM SCHON EINMAL GETAN, UND ZWAR ALS ICH SODOM VERNICHTEN WOLLTE. ER WAR ES DOCH, DER MIR SAGTE: „DER ALLER WELT RICHTER IST, SOLLTE ER NICHT RECHT ÜBEN?[v] DESSEN MÜSST EUCH GERADE IHR DEUTSCHEN BESONDERS BEWUSST SEIN. HABEN SICH NICHT DIE GANZEN NAZIBONZEN HINTER DEM BEGRIFF „BEFEHLSNOTSTAND“ VERSTECKT? SELBST ADOLF EICHMANN WIEDERHOLTE IMMER WIEDER WÄHREND SEINES PROZESSES IN ISRAEL: „ICH HABE DOCH NUR MEINE BEFEHLE BEFOLGT.“

DIE WAHRHEIT IST, DASS ABRAHAM MICH HIER FALSCH VERSTANDEN HAT. ICH WOLLTE NIE, DASS ER SEINEN SOHN TÖTET, DENN WIE HÄTTEN SICH DANN MEINE GANZEN VERSPRECHEN UND PROPHEZEIUNGEN ERFÜLLEN KÖNNEN? DER WEG ZUR OPFERUNG HAT ABRAHAM MIR NICHT NÄHER GEBRACHT, SONDERN IM GEGENTEIL. JE NÄHER ER DEM ORT KAM[vi], DESTO WEITER ENTFERNTE ER SICH VON MIR.

Auch sehr frĂŒhe Kommentatoren haben die heute anerkannte Auslegung der Geschichte angezweifelt:

Es gab einmal einen König, der wĂ€hrend eines Festmahls seinem geliebten Wesir sagte: Bring mir deinen Sohn. Der Wesir brachte seinen Sohn, legte ihn auf den Tisch und wollte ihn schlachten. Der König sagte ihm: „Halt ein! Ich habe dir nicht gesagt, bringe mir deinen Sohn, um ihn zu opfern, sondern damit ich mich an seinem Anblick ergötzen kann.

 

DER BEFEHL, DER ABRAHAM ZUM OPFERBERG GESCHICKT HATTE, WAR TATSÄCHLICH MEINE LETZTE UNMITTELBARE OFFENBARUNG AN ABRAHAM.

 

Und was ist mit der Stimme, die Abraham rief, als er seine Hand erhob, um seinen Sohn zu schlachten, und ihn davon abhielt?

DAS WAR NICHT MEINE. DAS WAR DIE EINES BOTEN, DAS WAS IHR ENGEL NENNT. FÜR EINEN SKLAVEN IST EIN BOTE GUT GENUG! WÄHREND IN DER VERGANGENHEIT ICH ABRAHAM GESAGT HATTE: "FÜRCHTE DICH NICHT", SAGT NUN DER ENGEL: "JETZT WEISS ICH, DASS DU GOTT FÜRCHTEST."

DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MIR UND ABRAHAM HAT EINE VÖLLIGE VERÄNDERUNG ERFAHREN UND WIRD NUN VON FURCHT BEHERRSCHT. WENN EINMAL FURCHT DIE SZENE BETRITT, VERSCHWINDET DIE GLEICHHEIT UND EIN WIRKLICHER DIALOG WIRD UNMÖGLICH.

Du hast aber doch den Bund bestÀtigt?

NICHT ICH SONDERN DER BOTE. ER TAT ES AN MEINER STELLE.

Als der Engel zurĂŒckkehrt, um den Bund zu bestĂ€tigen, benutzt die Bibel das erste Mal folgende Formulierung: "Ich habe bei mir geschworen, spricht der Herr[vii]

NICHT ICH WAR ES, DER MIT ABRAHAM GESPROCHEN HAT. EIN BOTE HAT MEINE WORTE ÜBERMITTELT. NACHDEM FURCHT DAS VERTRAUEN ERSETZT HATTE, REICHTE AUCH KEIN EINFACHES VERSPRECHEN MEHR. JETZT MUSSTE ICH BEI MIR SELBST SCHWÖREN, DAMIT ABRAHAM MIR GLAUBTE. ABRAHAMS SCHEITERN BEDEUTETE NICHT, DASS ICH MEINE VERHEISSUNGEN ÄNDERTE. ES WAR ABRAHAM, DER SEIN VERTRAUEN IN MICH UND IN SICH SELBST VERLOREN HATTE.

Und was geschah mit Eurer besonderen Beziehung?

DIE WAR NUN VORBEI UND ABRAHAM WURDE WIEDER EIN GANZ GEWÖHNLICHER MENSCH.

"Und Abraham nahm eine andere Frau, deren Name Ketura war, und sie gebar ihm. insgesamt sechs Kinder"[viii].

ICH WURDE FÜR ABRAHAM NUR EIN WEITERER GÖTZE UND ER HÖRTE NIE WIEDER MEINE STIMME, DIE STIMME DES LEBENDIGEN GOTTES.

Abraham ein gewöhnlicher Mann? Wie kann das sein? Was hatte ihn veranlasst, sich von Dir zu trennen. Oder war es nicht so sehr ein Bruch mit Dir als ein Bruch mit sich selbst? War es die Probe, die Forderung, seinen Sohn zu opfern, die den Bruch verursachte, oder war Abraham schon bevor die Probe begann, ein gebrochener Mann, und sein Scheitern darin begrĂŒndet? Es ist ganz klar, dass der demĂŒtige und widerstandslose Mensch, der uns in dieser Geschichte gezeigt wird, diametral entgegengesetzt ist zu dem fast heroischen Mann, der bereit war, mit Dir in Konfrontation zu gehen, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Der Mann, der fĂŒr die Rechte des Menschen kĂ€mpfte, fĂŒr einen fairen Prozess und die mögliche Begnadigung selbst fĂŒr solche wohlbekannten Kriminellen wie die Leute von Sodom. Wann geschah der Bruch und was hat ihn hervorgerufen? Warum fing er plötzlich an sich zu fĂŒrchten, er, der alles, was er sich je gewĂŒnscht hatte, erreicht hatte und auf dem Höhepunkt des Erfolges stand? Oder war es die Tatsache, daß er alles erreicht hatte, was seine Ängste erzeugte - so wie der junge RevolutionĂ€r, wenn die Revolution einmal gesiegt hat, ein Erzkonservativer wird, aus Furcht, dass irgendein junger Mann ihm seinerseits das antun wĂŒrde, was er selbst mit denen gemacht hat, die er stĂŒrzte?

Aber obwohl Abrahams Belohnungen materieller Art waren,[ix] hat Abraham sicherlich nicht Ur verlassen, um Reichtum und Macht zu erlangen. Es wĂ€re leichter fĂŒr ihn gewesen, diese in der fortgeschritteneren Zivilisation von Mesopotamien zu erlangen. Wie wir in einem frĂŒheren Kapitel gesehen haben, verließ Abraham Ur, um der Vision vom Lebendigen Gott zu folgen. Von einem Gott, der ihn nicht als Spielzeug betrachten wĂŒrde. Einem Gott der Gerechtigkeit und des Mitleids.

Auch folgte Abraham keinem plötzlichen jugendlichen Impuls, einem Impuls, den er spĂ€ter bereuen mochte. Es war nach dem Tod seines Vaters, als er schon 75 Jahre alt war, dass Abraham den Ruf hörte, der ihn auf den neuen Weg brachte. Aber wenn Reichtum und Macht nicht Abrahams Ideale waren, was fĂŒrchtete er dann zu verlieren? War es die versprochene Zukunft? FĂŒrchtete er, Du wĂŒrdest ihm zĂŒrnen, wenn er wieder die Frage der Zukunft zur Sprache brĂ€chte, und wĂŒrdest Dich diesmal nicht mit einem Tadel zufriedengeben? Aber was hatte er ĂŒberhaupt zu verlieren? Ismael war fort, und er stand nun im Begriff, seinen zweiten Sohn zu verlieren! Welche Zukunft wĂŒrde ihm hinterher bleiben, 100 Jahre alt, mit einer Frau, die ihre Wechseljahre lange hinter sich hatte? Aber seit wann fĂŒrchtete sich Abraham, mit Dir ĂŒber seine Zweifel zu sprechen? Was war geschehen, das diesen Vertrauensverlust verursachte?

 

WIE SCHON ANGEDEUTET, HIESS DAS PROBLEM ISMAEL.

AM BESTEN ZITIERE ICH MICH SELBST.[x]:

Bitte schön. Ich verstehe, dass Du die Bibel meinst.

"UND DAS KIND WUCHS UND WURDE ENTWÖHNT: UND ABRAHAM MACHTE EIN GROSSES FESTMAHL AM GLEICHEN TAG, DA ISAAK ENTWÖHNT WURDE. EINES TAGES SAH SARAH  WIE DER SOHN VON HAGAR, DER ÄGYPTERIN, DEN SIE ABRAHAM GEBOREN HATTE, SPIELTE UND LACHTE. DA SAGTE SIE ZU ABRAHAM: ‚VERTREIBE DIESE MAGD UND IHREN SOHN: DENN DER SOHN DIESER MAGD SOLL NICHT ERBE SEIN MIT MEINEM SOHN ISAAK.'

DAS BETRÜBTE ABRAHAM SEHR WEGEN SEINES SOHNES. UND GOTT SAGTE ZU ABRAHAM: ‚SEI NICHT BETRÜBT WEGEN DES JUNGEN UND WEGEN DEINER MAGD; HÖRE AUF ALLES, WAS SARAH DIR GESAGT HAT, DENN NACH ISAAK SOLL DEIN GESCHLECHT BENANNT WERDEN. UND AUCH AUS DEM SOHN DER MAGD WILL ICH EIN VOLK MACHEN, DENN AUCH ER IST DEIN NACHKOMME.'

"UND ABRAHAM STAND FRÜH AM MORGEN AUF UND NAHM BROT UND EINEN SCHLAUCH MIT WASSER UND LEGTE ES HAGAR AUF IHRE SCHULTER, GAB IHR DAS KIND UND SCHICKTE SIE FORT: DA ZOG SIE HIN UND IRRTE IN DER WÜSTE UMHER BEI BEER-SHEBA. UND DAS WASSER IN DEM SCHLAUCH GING AUS, UND SIE WARF DAS KIND UNTER EINEN STRAUCH. UND SIE GING UND SETZTE SICH GEGENÜBER EIN GUTES STÜCK WEITER, WOHL EINEN BOGENSCHUSS ENTFERNT: DENN SIE

SAGTE: ‚LASS MICH NICHT DEN TOD DES KINDES SEHEN.' UND SIE SETZTE SICH GEGENÜBER UND ERHOB IHRE STIMME UND WEINTE.

UND GOTT HÖRTE DIE STIMME DES KNABEN. UND DER ENGEL GOTTES RIEF HAGAR VOM HIMMEL HER UND SAGTE ZU IHR: ‚WAS IST DIR, HAGAR? FÜRCHTE DICH NICHT, DENN GOTT HAT DIE STIMME DES KNABEN GEHÖRT, WO ER IST. STEH AUF, HEBE DEN KNABEN AUF UND HALTE IHN AN DEINER HAND, DENN ICH WILL AUS IHM EIN GROSSES VOLK MACHEN.' UND GOTT ÖFFNETE IHR DIE AUGEN, UND SIE SAH EINEN BRUNNEN MIT WASSER; UND SIE GING UND FÜLLTE DEN SCHLAUCH MIT WASSER, UND GAB DEM KNABEN ZU TRINKEN."

Ich glaube das Problem jetzt zu verstehen.

Du wurdest fĂŒr Abraham plötzlich zu einem Gott, der ganz anders war als der, zu dem er Vertrauen hatte. Plötzlich verlangtest Du von ihm, ... nein, es kann nicht wahr sein, ... Du befahlst ihm, seinen erstgeborenen Sohn zu verjagen, einen Sohn, der ihm geboren wurde, nachdem er so viele Jahre unfruchtbar und kinderlos gewesen war, endlich geboren nach lebenslangem Warten, als er schon 80 Jahre alt war. Ein Kind, das sein Stolz und seine Freude war. Ihn hinauszuwerfen, nur weil er von der falschen Mutter geboren worden war? War er nicht in erster Linie Abrahams eigener Sohn? Und was hatte das Kind verbrochen? Daß es sich wie ein Kind verhielt und lachte? Und was hatte der Vater verbrochen? Seinen Sohn zu lieben? Abraham war schon gewohnt an Sarahs BefĂŒrchtungen und EifersuchtsanfĂ€lle, und Hagar war einmal sogar weggelaufen, weil sie die Launen ihrer Herrin nicht mehr ertragen konnte. Abraham hatte sicher einen Weg, damit umzugehen, gefunden. Aber daß Du Dich auf Sarahs Seite stellen und verlangen wĂŒrdest, daß er seinen Sohn wegjagen sollte, nur weil dessen Gegenwart nicht in den Gesamtplan paßte? Wenn, laut Dir, Isaaks Geburt vorherbestimmt war, warum musste dann Ismael ĂŒberhaupt geboren werden? Nur um seinem Vater Schmerzen zu bereiten?

MICH HAT ABRAHAM NICHT GEFRAGT, ALS ER HAGAR ZUR KONKUBINE GENOMMEN HAT. DAS WAR LETZTENDLICH SARAHS ENTSCHLUSS. UND GLAUBST DU NICHT, DASS ABRAHAM DAS GENOSSEN HAT?

Na und? Hatte er nicht das Recht darauf.

DOCH, NATÜRLICH. ABER DARUM GEHT ES DOCH GAR NICHT.

Worum geht es denn dann? Wenn die Frage des Erbes wirklich alles ist, was zĂ€hlt, war es wirklich die einzige Lösung, Ismael wegzuschicken? Wie kannst Du zu einem Vater sagen: "Schick diesen Sohn weg, weil der andere Sohn dein Erbe ist?" Gibt es in Deiner Welt keinen Raum fĂŒr GefĂŒhle? Sind in Deinen Augen nur dynastische Fragen wichtig? Wenn das wahr wĂ€re, welch eine traurige Welt wĂ€re das? Du sagtest mir doch immer wieder, Du hĂ€ttest uns der Liebe wegen erschaffen.[xi] Wie passt diese Geschichte da herein? Und wer hat gesagt, daß der Erstgeborene der Erbe sein muß? Weil es in jener Zeit so ĂŒblich war? Aber schließlich war weder Isaaks, noch Jakobs Erstgeborener Erbe des Bundes. Jedesmal wurde der Sohn, der am besten geeignet war, zum TrĂ€ger der Vision.

Oder hattest Du Angst, Abrahams Liebe zu Ismael wĂ€re so stark, daß er ihn zu seinem Erben machen wĂŒrde, auch gegen Deine WĂŒnsche. Genauso wie Isaak wollte, daß nicht Jakob, sondern Esau sein Erbe wĂŒrde? Welche SĂŒnde haben denn Abraham und Ismael begangen, um eine solche Bestrafung zu verdienen? Viele Kommentare haben in der Vergangenheit versucht, eine Rechtfertigung fĂŒr die Tat zu finden; und viele Legenden haben sich darum gebildet. So hat Ismael angeblich Isaak verspottet[xii]), hat eine schlechte Wesensart angenommen, war ein Götzendiener geworden usw. Einige behaupten sogar, dass Ismael versuchte Isaak zu töten, um die Erbschaft an sich zu reissen. Die meisten Kommentare heben hervor, daß Ismael ein Sklave war, und daß er als solcher fĂŒr seine Verbrechen das Todesurteil verdiente. Die Strafe, die er erhielt, war nur eine Milderung des Urteils. Alle diese Kommentare vergessen, daß Ismael damals erst 15 Jahre alt war und nicht viel Zeit gehabt haben konnte, all diese Taten zu begehen.

ICH GLAUBE, DU HAST NOCH IMMER NICHT BEGRIFFEN. DIE GANZE GESCHICHTE MIT HAGAR WAR DER ERSTE BRUCH DES VERTRAUENS. WEDER ABRAHAM, NOCH SARAH GLAUBTEN NOCH DARAN, DASS SARAH DOCH NOCH EIN KIND BEKOMMEN KÖNNTE. ERINNERST DU DICH AN DIE PASSAGE DER BIBEL, WO DAS ZUM AUSDRUCK KOMMT.

Da sprachen sie (die Engel) zu ihm: „Wo ist dein Weib Sarah ...“ Da sprach er: „Ich werde wieder zu dir kommen ĂŒbers Jahr um diese Zeit. Dann hat dein Weib Sarah einen Sohn.“ Sarah aber hörte zu am Eingang des Zeltes hinter ihm. Nun waren Abraham und Sarah alt und hoch betagt, so dass es Sarah nicht mehr nach der Frauen Weise ging. Darum lachte Sarah bei sich selbst und dachte: „Nun ich welk bin, soll mich noch Liebeslust ankommen. Und auch mein Herr ist alt.“ Da sprach der Herr zu Abraham: „Warum lacht denn Sarah und denkt: Sollte ich wirklich noch Mutter werden können, da ich doch alt bin. Ist denn irgend etwas unmöglich fĂŒr den Herrn?“

ICH HABE ABRAHAM IMMER WIEDER GESAGT, DASS ICH DAFÜR SORGEN WERDE, DASS ER NACHKOMMEN HABEN WÜRDE. UND DASS DIESE NACHKOMMEN DER LINIE VON SARAH ENTSTAMMEN SOLLTEN. SARAH WAR GENAU SO AUSERWÄHLT WIE ABRAHAM, UND DAS IST AUCH DER GRUND DAFÜR, DASS ICH IHREN NAMEN VON SARAI IN SARAH, DIE FÜRSTIN, UMGEWANDELT HABE. DIE NACHKOMMENSCHAFT VON ABRAHAM WAR MIR ZU WICHTIG, ALS DASS ICH BEREIT WAR, SIE DEM SOHN EINER SKLAVIN, NOCH DAZU EINER, DIE NICHT ICH AUSGEWÄHLT HABE, ZU ÜBERLASSEN. DAS HABE ICH AUCH ABRAHAM IMMER WIEDER GESAGT, ABER ER WOLLTE JA NICHT AUF MICH HÖREN. WEDER ER NOCH SARAH HATTEN DIESBEZÜGLICH VERTRAUEN ZU MIR.

Aha, das wolltest Du also in dem Bibelabsatz ausdrĂŒcken.

VERGISS NICHT, DASS ISMAEL ZWAR DER SOHN EINER SKLAVIN, ABER SELBST KEIN SKLAVE WAR. IM ALTERTUM WAR ES DER VATER, DER DEN STATUS DES KINDES BESTIMMTE. SONST WÄREN VIER VON JAKOBS SÖHNEN, DIE KINDER VON BILHA UND ZILPA, ALS SKLAVEN ANGESEHEN WORDEN UND HÄTTEN KEINE STÄMME GEZEUGT, DIE GLEICHBERECHTIGT NEBEN DEN ANDEREN STANDEN.

Das ist etwas, was die meisten Kommentatoren â€žĂŒbersehen“ haben.

ODER ÜBERSEHEN WOLLTEN. ISMAEL WAR WAHRHAFT ABRAHAMS ERSTGEBORENER SOHN, UND SARAH HATTE RECHT, DASS SIE UM DIE ZUKUNFT IHRES SOHNES FÜRCHTETE. ALS ERSTGEBORENE HÄTTE ISMAEL DAS ERSTGEBURTSRECHT GEHABT. ABER ER PASSTE NICHT IN MEINEN PLAN, GENAUSO WIE ESAU NICHT HEREINPASSTE. ER WAR JA AUCH DER ERSTGEBORENE.

Also deshalb „musste“ Jakob diese Rechte kaufen.

War dies dann schon die erste PrĂŒfung - die Wahl zwischen Abrahams Liebe zu seinem Sohn und dynastischen RĂŒcksichten? Wenn wir die Geschichte wörtlich nehmen, widerstrebte es Abraham sehr, Sarahs Wunsch zu erfĂŒllen. Aber dann hast Du interveniert, und zum ersten Mal in dieser langen Verbindung mit Dir stand Abraham vor einem echten Dilemma: Sollte er sich weigern Deinem Befehl zu gehorchen, und sich so mit Dir und Sarah anlegen? Sollte er die Zukunft, wie Du sie wolltest, gefĂ€hrden, oder sollte er nachgeben und seine GefĂŒhle ĂŒberwinden? Das Ende der Geschichte ist bekannt. Abraham nahm Deinen Rat an, verließ sich auf das Versprechen, daß Ismaels Zukunft gesichert sei.

IN GEWISSER WEISE HAST DU RECHT. ES WAR NICHT NUR DIE WAHL ZWISCHEN ABRAHAMS LIEBE ZU SEINEM SOHN UND DYNASTISCHEN RÜCKSICHTEN, SONDERN OB ER MIR VERTRAUT ODER NICHT. MAN KANN DIE GESCHICHTE AUF FOLGENDE WEISE ZUSAMMENFASSEN. ABRAHAM HAT MIR NICHT GEGLAUBT UND HAT OHNE MICH ZU FRAGEN GEHANDELT. WAS DANACH PASSIERTE, WAREN DIE UNMITTELBAREN KONSEQUENZEN SEINER TAT. IMMERHIN HABE ICH  SEIN PROBLEM VERSTANDEN UND VERSICHERTE IHM, DASS ER SICH KEINE SORGEN WEGEN DES JUNGEN ZU MACHEN BRAUCHTE.

In meinen Worten: "Wie gut verstehe ich, Gott, deine GefĂŒhle, aber glaub mir, es lĂ€sst sich nicht Ă€ndern, und du kannst dich auf mich verlassen, daß alles ok sein wird."

Und Abraham stand frĂŒh am Morgen auf ...

So wie es aussah, war die Episode abgeschlossen, und Abrahams Leben kehrte in seine normalen Bahnen zurĂŒck. Er handelte Wasserrechte mit Abimelech, dem König, aus und erlaubte sich sogar, ihn fĂŒr eine angebliche Ungerechtigkeit zu tadeln. Er war wieder die "rechte Hand Gottes", Dein anerkannter Vertreter auf Erden.

 

FÜR MICH WAR DIE SACHE NOCH NICHT ABGESCHLOSSEN. SCHON DAMALS KAMEN MIR DIE ERSTEN ZWEIFEL IN BEZUG AUF ABRAHAM. ES WAR NICHTS ANDERES ALS DER ERSTE AKT DIESER GESCHICHTE.

Abraham sollte Ismael also loswerden?

LOSWERDEN SCHON, ABER NICHT SO, WIE ER ES GETAN HAT. ER KANNTE SCHLIESSLICH DIE WÜSTE UND HÄTTE WISSEN MÜSSEN, DASS ER DIE BEIDEN IN DEN SICHEREN TOD SCHICKTE. NUR MIT EINEM STÜCK BROT UND EINEM WASSERSCHLAUCH, OHNE BEGLEITUNG, OHNE BEWACHUNG. IN DIE WÜSTE, WO ES NUR VON BEDUINISCHEN RÄUBERN WIMMELT. HÄTTE ER SIE NICHT WOANDERS ANSIEDELN KÖNNEN? ES WAR EINE TROTZREAKTION, GENAUSO, WIE WIR SPÄTER BEI DER OPFERUNG ISAAKS SEHEN WERDEN. ER WOLLTE MICH AUF DIE PROBE STELLEN, DENN ICH HABE IHM DOCH GESAGT, DASS ER HAGAR WEGSCHICKEN SOLL. IN GEWISSER WEISE WIEDERHOLT SICH HIER DIE GESCHICHTE VON ADAM. AUCH DAMALS STAND EINE FRAU DAHINTER UND AUCH DAMALS BESCHULDIGTE ADAM NICHT DIE FRAU, SONDERN MICH.

Inwiefern?

SAGTE ER NICHT: „DIE FRAU, DIE DU MIR GEGEBEN HAST, HAT MIR VON DER FRUCHT GEGEBEN.“[xiii]

 

SCHAU DIR DOCH MAL DIE PARALLELE AN ZWISCHEN DER VERSTOSSUNG ISMAELS UND DER OPFERUNG ISAAKS. DIE IST DOCH EIGENTLICH NICHT ZU ÜBERSEHEN. INFOLGE VON ABRAHAMS ENTSCHLUSS GERIETEN BEIDE SEINER SÖHNE AN DEN RAND DES TODES, IN ISMAELS FALL WAR ES DER TOD DURCH VERDURSTEN, IM FALL ISAAKS DER TOD DURCH DAS SCHWERT. WIE DU WEISST, SIND DIE HEBRÄISCHEN WORTE FÜR TROCKENHEIT UND SCHWERT IDENTISCH.[xiv] BEIDE SÖHNE WURDEN IM LETZTEN MOMENT DURCH DIE INTERVENTION EINES MEINER ENGEL GERETTET.

WENN ICH DAMALS NUR GEAHNT HÄTTE, WAS DIE SPÄTRESULTATE SEIN WERDEN.

Was meinst Du damit?

DEN HEUTIGEN KAMPF, DER IN ISRAEL TOBT. DORT KÄMPFEN DIE NACHKOMMEN ISMAELS MIT DEN NACHKOMMEN ISAAKS.

Ich habe hier eine Frage.

UND DIE WÄRE?

Maimonides behauptet, dass die Tatsache, dass der Tempelberg in den HĂ€nden der Ismaeliten ist, mit der Vertreibung Ismaels in Verbindung stehe. Dass dieses die Strafe fĂŒr die Vertreibung Ismaels zu Gunsten Isaaks wĂ€re.

DA HAT SICH MAIMONIDES GEIRRT. ER VERSUCHTE EINEN GRUND FÜR DIESE SITUATION ZU FINDEN, ABER VERGISS NICHT, DASS DER TEMPEL ZERSTÖRT WURDE LANGE BEVOR DER ISLAM AUFTAUCHTE. DIE ZERSTREUUNG ISRAELS HAT NICHTS MIT DIESER GESCHICHTE ZU TUN. DER TEMPELBERG STAND LEER UND DAS HABEN DIE ARABER AUSGENUTZT.

Und was passiert heute?

DAS HAST DU JA SELBST UNTER MEINEM EINFLUSS GESCHRIEBEN[xv] ABER ZURÜCK ZUR BIBEL.

Abraham wusste natĂŒrlich von all dem nichts; ich kann mir aber vorstellen, dass er von Einsamkeit und Reue verzehrt wurde. Von Sehnsucht nach dem Sohn, der, wenn er auch wahrscheinlich am Leben, fĂŒr ihn verloren war, als ob er tot wĂ€re.

IM GRUNDE WAR DAS JA SEINE EIGENE SCHULD.

In dieser Zeit gab es keinen Weg fĂŒr Abraham herauszufinden, was wirklich mit dem Jungen und seiner Mutter geschehen war. Er wusste schliesslich, wie er die beiden in die WĂŒste geschickt hat und wie ihre Chancen zu ĂŒberleben standen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er keinerlei Trost in Isaak und seiner Mutter fand, da sie ihn nur an die Tat erinnerten, die er in einem Augenblick der SchwĂ€che begangen hatte.

IN EINEM AUGENBLICK DER SCHWÄCHE? WIE GESAGT WAR ES DOCH EINE TROTZREAKTION. ER HAT DOCH MICH AUF DIE PROBE GESTELLT.

Trotzreaktionen beweisen eigentlich SchwÀche. Aber lass mich weitersprechen. Es gibt gewisse Punkte in der Geschichte, die mich stören und die ich aussprechen möchte.

OKAY, OKAY.

Es ist anzunehmen, dass Abraham wie jeder trauernde Vater sich immer wieder fragte, ob vage Versprechen ĂŒber eine noch in Nebel gehĂŒllte Zukunft wirklich die Grausamkeit, die er begangen hatte, rechtfertigten, eine Tat, die sich als ebenso schĂ€dlich fĂŒr ihn selbst wie fĂŒr seinen Sohn erwiesen hatte.

Wieder und wieder stand er vor dem bekannten Dilemma, ob der Zweck die Mittel heiligt.

Es wĂ€re interessant zu spekulieren, ob Abraham nicht anfing, sich andere Überlegungen bezĂŒglich der Art des Gottes zu machen, dem er folgte, seit er Ur verlassen hatte.

UND?

Wenn Du nichts dagegen hast, will ich mal versuchen, mich mit Abraham zu identifizieren und mir seine Gedanken vorzustellen.

BITTE SCHÖN, WARUM NICHT?

"Vielleicht waren alle meine sogenannten Beziehungen zu diesem Gott eine Illusion, und ich bin leeren Versprechungen und grĂ¶ĂŸenwahnsinnigen Illusionen gefolgt. Habe ich fĂŒr einen Gott, der mir befiehlt, gegen meine tiefsten GefĂŒhle zu handeln, meine Emotionen zu verleugnen, unmenschlich zu handeln, die Zivilisation verlassen und bin in dieser gottverlassenen Gegend gelandet? FĂŒr einen Gott der blinden Gehorsam von mir fordert?"

IN DEINER VERSION SCHEINT ER VERGESSEN ZU HABEN, DASS DER SOGENANNTE BEFEHL EHER EIN RATSCHLAG WAR, DEN ER SICH HÄTTE WEIGERN KÖNNEN ZU AKZEPTIEREN.

Ja, sicher. Aber laß mich die Vorstellung weiterspinnen:

"Wenn dies die Forderungen Gottes sind, wĂ€re ich wohl besser dran gewesen, wenn ich den Götzen von Babylon gedient hĂ€tte. Auch sie versprechen ihren AnhĂ€ngern reiche Belohnungen, und die Macht von Babylon bezeugt ihre KrĂ€fte." Dann tritt die Furcht in Erscheinung: "Wer kann garantieren, daß Gott mich nicht so behandeln wird, wie ich Ismael behandelt habe, und mich fĂŒr jemand anderen verlassen wird, der besser geeignet sein könnte, seine PlĂ€ne zu erfĂŒllen?" Und sein fiebriger Geist hört nicht auf: "Vielleicht habe ich die ganze Zeit nur gehört, was ich hören wollte. Vielleicht war der Gott, dem ich gefolgt bin, nur ein Gebilde meiner Phantasie. Vielleicht ist der einzige Unterschied zwischen den Götzen von Mesopotamien und dem, den ich den lebendigen Gott genannt habe, daß jene von HĂ€nden geformt wurden und mein Gott das Erzeugnis meiner Phantasie ist. Denn schließlich hat keiner außer mir Seine Stimme gehört."

Abraham war deshalb auch nicht ĂŒberrascht, als er schließlich Deinen Befehl hörte, zu gehen und seinen zweiten Sohn zu opfern. Dieser Befehl paßte sehr gut zu seinen BefĂŒrchtungen und Besorgnissen. Als der Ruf schließlich kam, bestĂ€tigte er diese nur.

DU MEINST DAMIT DIE WORTE: "NIMM DEINEN SOHN, DEINEN EINZIGEN SOHN!"

Genau. Wenn Du Isaak als den „einzigen Sohn" Abrahams bezeichnest, kann das nur eins bedeuten, nĂ€mlich dass Ismael tot ist. FĂŒr ihn war das eine BestĂ€tigung dafĂŒr, dass Du Dein Versprechen nicht erfĂŒllt hast und Ismael sterben liesst. „Was ist dann mit all den anderen Versprechungen?“ sagt sich Abraham. „Wie kann ich mein Vertrauen in solch einen Gott setzen?"

DU WILLST DAMIT SAGEN, DASS DER ENGEL RECHT HATTE, ALS ER AUSRIEF: "JETZT WEISS ICH, DASS DU GOTT FÜRCHTEST."

In der Tat. Furcht scheint das Vertrauen ersetzt zu haben. Es gab einen anderen Grund - Ismael war Abrahams Erstgeborener und als solcher dem Herzen seines Vaters sehr nahe. wenn man bedenkt, dass er vierzehn Jahre lang das einzige Kind war, kann man gut Abrahams GefĂŒhle fĂŒr ihn verstehen. Abraham konnte ihn außerdem von ganzem Herzen lieben, da seine Geburt völlig natĂŒrlich war. Dies war bei Isaak nicht der Fall. Isaaks EmpfĂ€ngnis war eindeutig keine natĂŒrliche, und deshalb mĂŒssen Abrahams GefĂŒhle fĂŒr ihn eine Mischung aus vĂ€terlicher Liebe und ehrfĂŒrchtiger Scheu gewesen sein. Die Ehrfurcht, die wir fĂŒhlen, wenn wir einem ĂŒbernatĂŒrlichen Wesen gegenĂŒberstehen. Denn es ist ganz klar, dass es fĂŒr eine Frau nicht gerade ein natĂŒrliches Ereignis ist, im Alter von 90 Jahren, lange nach ihren Wechseljahren, ein Kind zu gebĂ€ren.

Abraham muss sich mehr als einmal gefragt haben: "War ich es, der den gezeugt hat?"[xvi]

Und Abraham wĂ€gt ab: "Wenn Gott ein Wunder getan hat, um die ĂŒbernatĂŒrliche Geburt Isaaks herbeizufĂŒhren, kann er leicht ein anderes Wunder tun. Sonst sind seine Versprechen leer, und er wird den letzten Rest seiner GlaubwĂŒrdigkeit verlieren.

Wenn Isaak aber der einzige Sohn war, der ihm geblieben war, wie kam es, daß Abraham nicht protestierte? War er des KĂ€mpfens mĂŒde? Oder könnte es einen anderen Grund geben?

DA ABRAHAM ZU DEM SCHLUSS GEKOMMEN ZU SEIN SCHIEN, DASS ER SICH NICHT LÄNGER AUF MEINE VERSPRECHEN VERLASSEN KONNTE, HIELT ER ES NICHT FÜR DER MÜHE WERT, EINE DISKUSSION MIT MIR ZU BEGINNEN.

Könnte es sein, dass von dem Moment an es Abraham war, der Dich auf die Probe stellte.?

HMM: EIN INTERESSANTER GEDANKE. WIE MEINST DU DAS?

Abraham:"Lass uns sehen, wie Du, Gott, dieses Problem lösen wirst, wie Du dich da herauswindest. Ich, Abraham, werde dir gehorchen und den Jungen schlachten, den Du auf diese Welt gebracht hast, damit Deine Versprechen erfĂŒllt werden. Du weisst, Gott, jetzt liegt es an Dir. Wenn es Dir gelingt, einen Ausweg aus diesem Engpass zu finden, schön und gut. Aber wenn nicht, dann lass uns die Zukunft vergessen, von der Du dauernd redest. Ich fĂŒr mein Teil habe genug. Ich werde gehen und mir eine andere Frau suchen, die mir, wie Hagar, Kinder schenkt, nach denen ich mich sehne, und mein Leben in Ruhe und Frieden beenden."

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Der ‚Ausweg' [xvii] befand sich im GebĂŒsch, und Abraham nahm Ketura[xviii] und hatte sechs weitere Kinder. Und so kommen wir zum Ende unserer Geschichte. Die Opferung, die nie stattfand, ist vorbei .

... UND ABRAHAMS LANGE VERBINDUNG ZU MIR IST EBENFALLS AN IHR ENDE GELANGT.

Was mich jetzt bewegt: Was ist mit dem nĂ€chsten TrĂ€ger des Bundes geschehen? Wohin ist Isaak verschwunden? Die Bibel stellt uns vor ein neues Mysterium. Den ganzen Weg ĂŒber, von zu Hause bis zum Altar, waren Abraham und Isaak zusammen. Beide trugen sie das Holz und das Feuer den Berg hinauf, und es ist klar, daß Isaak sogar an der Vorbereitung seiner Opferung mitarbeitete. Abraham alleine wĂ€re nie fĂ€hig gewesen, ihn zu ĂŒberwĂ€ltigen. Aber was geschah hinterher mit ihm? Als alles vorbei war, nachdem der Widder geopfert worden war, fĂ€hrt die Bibel folgendermaßen fort:

" UND ABRAHAM GING ZURÜCK ZU SEINEN DIENERN, UND SIE MACHTEN SICH ZUSAMMEN AUF DEN WEG NACH BEER-SHEBA" [xix].

Isaak wird nicht erwĂ€hnt. Die zentrale Figur des Dramas ist verschwunden. Nach der populĂ€ren Überlieferung kam der Engel zu spĂ€t, und es gelang ihm nicht, Abrahams Arm festzuhalten. Die Tragödie wurde nicht verhindert, sondern bis zum bitteren Ende durchgespielt. Der SchlĂ€chter vollendete seine Tat, und das Opfer wurde getötet. Nach dieser Überlieferung wurde das Opfer vollzogen.[xx]

DAS KOMMT DEM SEHR NAHE, WAS MAN ALS DIE INNERE WAHRHEIT DER GESCHICHTE BEZEICHNEN KÖNNTE. FÜR BEIDE, FÜR ABRAHAM UND ISAAK, KAM DER ENGEL ZU SPÄT. AUS ABRAHAMS INNERER SUBJEKTIVER SICHT WAR ISAAK SCHON TOT, ALS ER IHN BAND UND AUF DEN ALTAR LEGTE. VOR SEINEM INNEREN AUGE HATTE IHN ABRAHAM IN DEN DREI TAGEN AUF DEM WEGE SCHON HUNDERTE VON MALEN GESCHLACHTET. WIEDER UND WIEDER HATTE ER SICH SELBST ALS DEN SCHLÄCHTER, DEN MÖRDER GESEHEN UND SEINEN SOHN ALS DAS BLUTBEDECKTE OPFER. WIEDER UND WIEDER KEHRTE DIE VISION ZURÜCK, BIS ER DARAN GEWÖHNT WAR, BIS SIE TEIL SEINER REALITÄT GEWORDEN WAR. DIE TATSÄCHLICHE DURCHFÜHRUNG DER TAT, DER AUSTAUSCH EINER REALITÄT DURCH EINE ANDERE, WAR FÜR IHN VON MINDERER BEDEUTUNG. ABRAHAM WAR SO WEIT GEGANGEN, DASS ER, ALS DER ENGEL IHN ENDLICH RIEF, NICHT BEGRIFF, WAS GESCHAH. WAR DIESER RUF REAL ODER NUR EINE ANDERE VISION? UND FALLS EIN ENGEL IHN WIRKLICH GERUFEN HAT, WAS FÜR EINE WIRKLICHKEIT WAR ES - EINE INNERE ODER EINE ÄUSSERE? ES IST NICHT VERWUNDERLICH, DASS DER ENGEL IHN ZWEIMAL RUFEN MUSSTE, BEVOR ER DEN RUF ANERKANNTE UND SAGTE: "JA, HIER BIN ICH.".

Wo war dieses „hier“ fĂŒr Abraham?

DAS KANN AUCH ICH NICHT SAGEN, DENN SEITDEM HATTE ICH NIE WIEDER KONTAKT MIT ABRAHAM. ER WAR AN DEM ORT ANGELANGT, AN DEM SEIN VORFAHRE ADAM WAR, NACHDEM ER DIE FRUCHT VOM BAUM GEGESSEN HATTE.

Was meinst Du damit?

ADAM VERSTECKTE SICH VOR MIR. ICH MUSSTE IHN RUFEN: WO BEFINDEST DU DICH? UND ADAM ANTWORTETE MIR: „AN EINEM ORT DER ANGST UND DES SCHRECKENS. AN EINEM ORT, AN DEM DER ALPTRAUM BEGANN, IN DEM SICH DIE MENSCHHEIT BIS HEUTE BEFINDET.“ AUCH MIT ADAM HATTE ICH NIE WIEDER DENSELBEN KONTAKT WIE VORHER. ZWISCHEN BEIDEN UND MIR IST SO EIN ABGRUND ENTSTANDEN.

UND SO ENDETE FÜR DEN AUGENBLICK DER ALPTRAUM, NUR UM IN EWIGKEIT FORTZUDAUERN.

Und was geschah mit Isaak?

AUCH DAS WERDEN WIR NIEMALS WISSEN.

War er gelĂ€hmt vor Angst, als er das Messer sah? GelĂ€hmt wie ein Kaninchen, wenn es eine Schlange sieht? Oder dĂ€mmerte es ihm plötzlich, daß es keine Rettung gab, daß sein geliebter Vater wirklich vorhatte, ihn, seinen einzigen Sohn, zu töten? Welch ein niederschmetterndes Erwachen fĂŒr einen Jungen, dessen Vater, der Mensch, den er ĂŒber alles liebte, sich plötzlich in einen Fremden verwandelte.

Könnte es sein, dass Dein Befehl, der im Erheben des Messers gipfelte, Isaak von einer RealitÀt in eine andere katapultierte - vom Status eines gehegten, verwöhnten Kindes in eine Wirklichkeit, die kalt und fremd war, eine RealitÀt; auf die er in keiner Weise vorbereitet war.

Das erinnert mich sehr an das Schicksal der deutschen Juden, als der Nationalsozialismus an die Macht kam. Jetzt verstehe ich erst, warum Isaak zum Schutzpatron des jĂŒdischen Volkes geworden ist. Das war etwas, das sich wĂ€hrend der 2000 Jahre der Diaspora immer wiederholte. Aber zurĂŒck zur Bibel.

VERSTEHST DU JETZT AUCH, DASS ABRAHAM „ALLEIN“ VOM BERG ZURÜCKKEHRTE. ALLEIN, AUCH WENN ISAAK AN SEINER SEITE WAR. IN IHRER NEUEN REALITÄT IST ABRAHAM OHNE EINEN SOHN UND ISAAK OHNE EINEN VATER ZURÜCKGEBLIEBEN.

Wahrscheinlich  hast Du Recht, denn laut der Bibel haben sich ihre Wege getrennt, und die beiden begegneten sich nie wieder, weder bei Sarahs BegrĂ€bnis, noch bei Isaaks Hochzeit, nicht einmal; als Abraham dem Tod nahe war, und so wurde Isaak um den Segen seines Vaters gebracht. Erst nach Abrahams Tod verziehen Isaak und Ismael ihrem Vater und zusammen begruben sie den alten Mann.

Hier möchte ich Dich noch etwas fragen. Wie Du weisst, war es Isaak, das ewige Opfer, der in den langen und leidvollen Jahrhunderten seiner Zerstreuung der Liebling des jĂŒdischen Volkes geworden ist. Es war Isaak, mit dem sie sich am besten identifizieren konnten. Und es war seine Rettung, die ihnen immer wieder Hoffnung gegeben hat. Was meinst Du dazu?

MEINE MEINUNG HABE ICH KLAR IN DER BIBEL AUSGEDRÜCKT UND LEIDER WAR MAN NIE BEREIT SICH DAMIT AUSEINANDERZUSETZEN. GEH ZUR BIBEL UND LIES¹.

Wie nun Abraham seine Augen erhob, sah er einen anderen Widder, der sich mit seinen Hörnern im GebĂŒsch verfangen hatte.[xxi]

Du meinst wirklich nicht „einen Widder“, wie es in den meisten Übersetzungen steht, sondern „einen anderen Widder“?

GENAU DAS MEINTE ICH.

Dieses Wort bescherte den Exegeten aller Zeiten ein Dilemma und die meisten Übersetzungen haben es ausgelassen.

SIE WOLLTEN DIE WAHRHEIT NICHT SEHEN. SIE WOLLTEN NICHT SEHEN, DASS ICH WIRKLICH GESAGT HABE, ES WÄREN DORT ZWEI WIDDER GEWESEN, ISAAK UND EIN ANDERER. AUS MEINER SICHT LÄSST NUR EIN TIER SICH OHNE PROTEST OPFERN OHNE ZU FRAGEN WARUM UND WESHALB. IN DEM MOMENT, DA ISAAK ZUSTIMMTE, GEOPFERT ZU WERDEN, OHNE WIRKLICH ZU VERSTEHEN, WARUM, IN DEM MOMENT, DA ER BEREIT WAR MIT SEINEM LEBEN FÜR EINE VISION ZU BEZAHLEN, DIE NICHT SEINE EIGENE WAR, IN DEM MOMENT, DA ER SICH BLIND DEM DIKTAT SEINES VATERS ERGAB, GAB ER AUCH SEIN GEBURTSRECHT ALS EIN MENSCHLICHES WESEN AUF UND WURDE NUR ZU EINEM ANDEREN OPFERTIER. DAS EINE WAR ALS WIDDER GEBOREN, DAS ANDERE WURDE EIN WIDDER. DAS EINE WUSSTE NIE, WAS FREIER WILLE BEDEUTET, DAS ANDERE VERZICHTETE AUF DAS RECHT SEINEN FREIEN WILLEN AUSZUÜBEN. UND SO ENDET VORLÄUFIG DIE TRAGÖDIE VON VATER UND SOHN.

ABER SIE IST NICHT ABGESCHLOSSEN. SIE WIEDERHOLT SICH GENERATION FÜR GENERATION. IMMER WIEDER FÜHRT ABRAHAM SEINEN SOHN ZUM ALTAR, OHNE DASS DER SOHN SEINE STIMME ERHEBT ODER MICH BEFRAGT. WIEDER UND WIEDER WIRD ISAAK ES ZULASSEN GEOPFERT ZU WERDEN, OHNE DASS ER ES WAGT ZU REBELLIEREN ODER ZUMINDEST FRAGT, WARUM. WIE EIN SCHAF VOR DEM SCHLÄCHTER. OFT WIRD ER SOGAR MIT DENEN ZUSAMMENWIRKEN, DIE IHN ZUR SCHLACHTBANK FÜHREN, EINER GEHIRNWÄSCHE UNTERZOGEN AUFGRUND VON IDEALEN, DEREN BEDEUTUNG ER NICHT VERSTEHT.

Warum hat sich Abraham der Stimme enthalten? Warum hat er zugestimmt, ohne zu fragen?

WEIL ER EIN MENSCH AUS FLEISCH UND BLUT WAR. DAS WAR ES, WAS SEINE GRÖSSE WIE AUCH SEINE SCHWÄCHE AUSMACHTE. ABRAHAM WAR DER ERSTE MENSCH, DER BEGRIFF, DASS DER MENSCH IM BILDE GOTTES GESCHAFFEN WURDE, UND SICH DAHER VOM JOCH DES GÖTZENDIENSTES BEFREIEN KONNTE. ABER DA ER EIN MENSCH WAR, FÜRCHTETE ER DEN LETZTEN SCHRITT ZU TUN. DEN SCHRITT, DER IHN MIR GLEICHGEMACHT HÄTTE, DER SEINE GÖTTLICHKEIT WIEDERHERGESTELLT UND IHM SEIN GEBURTSRECHT ZURÜCKGEGEBEN HÄTTE. OBWOHL ABRAHAM EIN GROSSES MENSCHLICHES WESEN WAR, WAR ER AUCH ‚NUR EIN MENSCH', MIT ALLEN SCHWÄCHEN DER MENSCHHEIT, UND WAR SO NICHT GEGEN FEHLER GEFEIT. ALS MENSCHLICHES WESEN FASSTE ER MEINE WORTE FALSCH AUF UND ENTSCHIED SICH SIE AUF SEINE ART ZU VERSTEHEN. UND VON DIESEM TAG AN HAT DIE MENSCHHEIT FORTWÄHREND DIE GLEICHE WAHL GETROFFEN. ABRAHAM IST ZUM SYMBOL FÜR ALL DIE ‚HELDEN' GEWORDEN, WELCHE IM LAUF DER ZEITEN DARAUF BESTANDEN HABEN, DASS NUR SIE DIE RICHTIGE INTERPRETATION MEINES WORTES KENNTEN. WIE VIELE HEILIGE KRIEGE SIND VON LEUTEN ENTFACHT WORDEN, DIE FEST DARAN GLAUBTEN, DASS SIE UND NUR SIE IM BESITZ "DER" WAHRHEIT SEIEN; VON LEUTEN, DIE SICHER WAREN, DASS SIE ALLE ANTWORTEN HATTEN, UND VERGESSEN HATTEN, WIE MAN FRAGT.

Oder könnte es sein, daß sie sich fĂŒrchteten zu fragen, fĂŒrchteten, daß die Antworten nicht in ihre Weltanschauung passen wĂŒrden?

UND DAS KANN MAN CHRISTENTUM ODER ISLAM, KOMMUNISMUS ODER KAPITALISMUS NENNEN. ALLE NAHMEN SIE ABRAHAM ALS IHR BEISPIEL UND VERSTANDEN NICHT, DASS ER NICHT AUS STÄRKE HANDELTE, SONDERN AUS FURCHT UND SCHWÄCHE.

Und Isaak? Und das jĂŒdische Volk?

WIE DU SCHON SELBST GESAGT HAST, HABEN SIE ISAAK ZUM VORBILD GENOMMEN UND SIND DESWEGEN IMMER WIEDER „IN MEINEM NAMEN“ WIE DAS VIEH ZUR SCHLACHTBANK GEGANGEN OHNE SICH ZU WEHREN. DAS LETZTE MAL UND VIELLEICHT DER HÖHEPUNKT WAR DER HOLOCAUST. SIE GLAUBTEN IMMER, DASS DAS MEIN WILLE WÄRE UND WAGTEN NICHT ZU FRAGEN.

EIN ABSCHLIESSENDER GEDANKE AM ENDE DIESES KAPITELS. HÄTTE ICH EUCH BLINDEN GEHROSAM LEHREN WOLLEN, WÄRE DAS ‚AUSERWÄHLTE VOLK' ‚DIE SÖHNE ABRAHAMS' GENANNT WORDEN. ABER DIES IST NICHT GESCHEHEN. DIE NACHKOMMEN ABRAHAMS WURDEN ‚DIE KINDER ISRAELS' GENANNT, DER NAME, DER JAKOB GEGEBEN WURDE, NACHDEM ER MIT DEM ENGEL GEKÄMPFT UND IHN BEZWUNGEN HATTE.

NUR INDEM IHR MICH STÄNDIG BEFRAGT UND MIT MIR UND MEINEN SOGENANNTEN ‚STELLVERTRETERN' KÄMPFT, WERDET IHR EUREN STATUS ALS MENSCHEN BEWAHREN UND EUER GEBURTSRECHT WIEDERGEWINNEN.

Also ist der Ausdruck „Gottesdienst“ falsch?

DU SCHEINST JA ETWAS BEGRIFFEN ZU HABEN.

 


[i] J. Leibowitsch, Judentum, das jĂŒdische Volk und der Staat Israel, Schocken Verlag, 1979

[ii] Genesis, 22,1

[iii] Genesis, 21,14 und 22,3

[iv] Diese Kombination bedeutet nicht, wie es in der deutschen Übersetzung steht: „Ziehe hinweg aus deinem Vaterland“

[v] Genesis, 18,25

[vi] Der Begriff „Ort“ ist im HebrĂ€ischen eine weitere Bezeichnung Gottes. Der biblische Satz: „Und er sah den Ort von weitem“, kann daher auf folgende Art ausgelegt werden: „Und er sah Gott von weitem.“ Darauf bezieht sich Gott.

[vii] Genesis 22,16

[viii] Genesis 25, 1

[ix] Genesis 13, 2: „Abraham aber war sehr reich an Vieh, an Silber und an Gold“sowie

ebd. 24, 1

[x] Genesis, Kapitel 21

[xi] siehe Kapitel 1 dieses Buches

[xii] wie in der deutschen Version der Bibel

[xiii] Genesis 3,12

[xiv] Im HebrĂ€ischen wird das Wort „Schwert“ HRW (herev) geschrieben und „Trockenheit“ HRWH (harawah). Beide haben dieselbe Wurzel, sind eigentlich dasselbe Wort.

[xv] E.E. Lasch, Der Kampf um den Berg Gottes, siehe: www.kabbala-heute.de

[xvi] Die Ähnlichkeit mit dem Bericht der Evangelien ĂŒber die Zeugung von Jesus ist frappierend. Genau wie die Rolle der beiden – das Opferlamm Gottes.

[xvii] „Wie nun Abraham seine Augen erhob, sah er einen anderen Widder, der sich mit seinen Hörnern im GebĂŒsch verfangen hatte. Da ging Abraham hin, nahm den Widder und opferte ihn als Brandopfer anstatt seines Sohnes.“ (Genesis 22, 13)

[xviii] Genesis 25, 1-5)

[xix] Genesis 22, 19

[xx] eine weitere Parallele zu den Evangelien

[xxi] Genesis 22, 13

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